Etappen 6 bis 11

Unser Weg zur Alten Chemnitzer Hütte

07.03.2025

Etappe 6: Alte Chemnitzer Hütte – Schwarzensteinhütte

Etappe 7: Schwarzensteinhütte – Schwarzenstein – Alte Chemnitzer Hütte 

Etappe 8: Alte Chemnitzer Hütte – Nevessattel – Furtschaglhaus 

Etappe 9: Furtschaglhaus – Olperer Hütte  

Etappe 10: Olperer Hütte – Gamshütte 

Etappe 11: Gamshütte – Abstieg Finkenberg 

 

Etappe 6: Alte Chemnitzer Hütte – Schwarzensteinhütte

1392 ↑hm • 784 ↓hm • 13,1 km • 7 ½ h

Am kommenden Tag stand uns eine anspruchsvolle und sehr spezielle Etappe bevor: der Weg zur höchstgelegenen Hütte in den Südtiroler Zillertaler Alpen. Auf dem Stabeler Höhenweg überquerten wir die Gelenkscharte (2724 m), das Schwarzenbachtörl (2559 m) und die dritte Scharte Törler Zwilcher "Zu Törla" (2704 m), die eher wie ein einsamer Gipfel wirkte. Dann eröffnete sich uns der Blick ins Rotbachtal, auf das gegenüberliegende Gr. Tor und auf die Schwarzensteinhütte (Rifugio al Sasso Nero, 3026 m). Wir schlängelten uns bei sommerlichen Temperaturen durch das unterhalb der Hütte befindliche Blockwerk und kamen an kleinen türkisblauen Gletscherseen vorbei. Kurz darauf fühlten wir uns plötzlich wie in einem winterlichen Kletter-Erlebnispark. Wir stiegen ein langes Schneefeld unterhalb des Rotbachkees hinauf und landeten dann in einer einladenden Kletterpassage. Danach ging es vom Plateau der ehemaligen Leipziger Hütte noch rund 100 Höhenmeter aufwärts zur jetzigen Hütte. Es ist eine sehr empfehlenswerte Etappe, die man so nicht wieder findet. Das große Gebäude wirkt in der Höhenlage unwirklich und durch das unregelmäßige Sechseck fast wie ein Fremdflugkörper. Für die geplante Besteigung des Schwarzenstein-Gipfels war es leider zu spät. Daher hatten wir uns von dem Wunsch verabschiedet, denn für den darauffolgenden Nachmittag wurde Gewitter angesagt, was für uns bedeutete, dass wir nach dem Frühstück gleich zur Alten Chemnitzer Hütte zurückmussten.

Das Glück hat es wieder gut mit uns gemeint, denn zum Abendessen lernten wir einen sehr netten Bergsteiger – Gerhard – kennen. Er erzählte uns von seinem Vorhaben, zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Nach kurzer Überlegung schlossen wir uns an und verabredeten uns für 4:45 Uhr.  

Etappe 7: Schwarzensteinhütte – Schwarzenstein – Alte Chemnitzer Hütte 

1143 ↑hm • 1751 ↓hm • 16,3 km • 9 h

Mit Stirnlampen und Gletscherausrüstung gewappnet stiegen wir im Dunkeln den Felsköpfl (3235 m) hinauf. Von diesem gelangen wir auf den Schwarzensteinkees. Wir hielten uns am Gletscherrand und liefen mit stetigem Anstieg dem Schwarzenstein-Gipfel (3369 m) entgegen. Oben angekommen erstreckten sich in der Morgendämmerung mystische Nebelschwaden um die schwarze Hütte. Zu dritt am Gipfelkreuz den Sonnenaufgang beobachtend, verinnerlichten wir den unvergesslich schönen Moment. Wir sind Gerhard sehr dankbar, für die Begegnung und gewagte Idee des zeitigen Aufstieges. Nach dem Abstieg waren wir die letzten, die das Frühstück mit der luxuriösen Aussicht durch die großen Fensterfronten in der Stube genießen durften. Diese bietet nämlich einen gigantischen Ausblick auf Großvenediger, Dreiherrenspitze, Rötspitze und Hochgall. Gemeinsam stiegen wir hinab, wo sich der Stabeler Höhenweg mit dem Abstiegsweg in Tal kreuzen und verabschiedeten uns voneinander. Dann überquerten wir erneut die drei Scharten vom Vortag. Nach der letzten Scharte rasteten wir über eine Stunde im Gras der wunderschönen Mooser Flecke, da das Wetter doch stabil blieb. Es wird nicht zu Unrecht vor raschen Wetterumbrüchen gewarnt, denn Donner und schwarze Wolken holten uns kurz darauf aus der Ruhe. Gerade auf der Alten Chemnitz Hütte angekommen begann es aus Eimern zu schütten. Das war perfektes Timing und ein voll ausgenutzter Tag. Die Hüttenfamilie begrüßte uns sehr herzlich und wir verbrachten einen weiteren einprägsamen Abend auf der Chemnitzer Hütte.

Etappe 8: Alte Chemnitzer Hütte – Nevessattel – Furtschaglhaus 

703 ↑hm • 824 ↓hm • 9,3 km • 9 h

Mit einem Glücksbringer der Chemnitzer Hütte in der Tasche und nach einer sehr herzlichen Verabschiedung machten wir uns auf den Weg in Richtung Nevessattel. Am Fuße des Hüttenplateaus machten wir nochmal kehrt, um ein Foto mit Familie Gruber zu schießen. Wir liefen den Neveser Höhenweg zu dem schönen Gletschersee zurück. Das Wetter bereitete uns etwas Sorge, denn wir hatten an dem Tag mit dauerhaft kommendem und gehendem Nebel und Nieselregen zu kämpfen. Der Aufstieg zum Klettersteigzugang verlief über ein großes Schneefeld. Der Klettersteig war gut gesichert und brachte uns zum Grenzstein auf dem Nevessattel (3025 m). Auf österreichischer Seite kletterten wir hinab auf die Überreste des Schlegeiskees. Der Klettersteig wurde erneuert, sodass man nun ohne Seil das Geröllfeld erreicht. Diese Etappe wurde ab diesem Punkt zu unserer abenteuerlichsten. Denn es gibt zwei Wege zum Furtschaglhaus (2295 m, DAV Sektion Berlin): den ursprünglichen Weg über den Schlegeiskees der dann zwischen den Höhenlinien von 2400 und 2500 m entlang verläuft oder der frisch gekennzeichnete Weg in der Höhe bleibend auf etwa 2800 bis 2900 m, bis man den Höhenweg zwischen Furtschaglhaus und Großer Möseler kreuzt. Beide sind erst weiter unterhalb des Klettersteigs gekennzeichnet, sodass man ein langes Stück weglos wandert. Wir wollten vernünftigerweise erst den neu gekennzeichneten Weg gehen, fanden jedoch in dem bewegten Geröllfeld keinen Einstieg und entschieden uns dann in Richtung Gletscher hinabzusteigen, um den unteren Weg am Fuße des Schlegeiskees zu finden. Das war eine wackelige Angelegenheit, denn das frisch abgegangene Geröll hatte sich noch nicht gesetzt und teilweise Rest-Eis unter sich. Da schlitterten wir manchmal beim Betreten eines großen Gesteinsbrockens ein paar Meter weiter. Nachdem wir eine kurze Strecke über den Gletscher liefen und am Fuße ankamen, fanden auch dort keine Markierungen vor. Schließlich liefen wir zwischen beiden möglichen Wegen, was recht spannend und abenteuerlich war und durch den wechselhaften Nebel immer wieder zu Pausen führte. Wir kamen am Abend ausgehungert an der Hütte an und freuten uns über die leckeren Gerichte. Ein Hüttengast fragte, woher wir kamen und als ich einen kurzen Abriss unserer Tour erklärte, sagte er: „Es muss unglaublich gewesen sein. Deine Augen leuchten richtig.“…und das war es tatsächlich.

Etappe 9: Furtschaglhaus – Olperer Hütte  

676 ↑hm • 560 ↓hm • 13 km • 5 h 

Am Tag der neunten Etappe merkten wir schon das Pensum und waren dankbar eine einfache und durch den Berliner Höhenweg bekannte Tour zu gehen. Am Morgen blickten wir mit dem Versuch unsere vorherige Etappe auszumachen nochmal hinauf zum Schlegeiskees und Nevessattel. Anschließend stiegen wir hinab zum schönen Furtschaglboden und unverwechselbaren Schlegeisspeicher. Durch den Schrammerwald ging es wieder in die Höhe am Unterschrammbach entlang bis zum Unterbecken, dass wir in unserer zweiten Etappe fast kreuzten. Wir hielten uns rechts und liefen die Höhenlinie von ca. 2400 m entlang zur Olperer Hütte (2389 m, DAV Sektion Neumarkt/Oberpfalz). Dort ließen wir den Tag in Ruhe ausklingen, da die Hütte mit ihrer Luxus-Terasse zum Entspannen einlädt. Abends wurden Karten in der warmen hölzernen Stube gespielt.

Etappe 10: Olperer Hütte – Gamshütte 

888 ↑hm • 1350 ↓hm •  18,9 km • 8 h 

Die letzte Etappe in luftiger Höhe verlief ebenfalls über den Berliner Höhenweg, in Richtung Friesenberghaus. Eine Sonnenpause genehmigten wir uns am Wesendlekarsee, was für uns eine schönere Alternative zum Friesenbergsee war. Weiter verlief unser Weg unterhalb der ehemaligen Rifflerhütte über bestens gekennzeichnete Geröllfelder und langgezogene Bergwiesen. Die Tour war insgesamt gut befestigt, sodass es nur die Länge war, die uns anstrengte. Glücklich auf der Gamshütte (1921 m, DAV Sektion Otterfing) angekommen, wurden wir wie beim letzten Besuch herzlich empfangen. Die Hütte hat ihren eigenen urigen und menschenverbindenden Charm, der den Beginn oder das Ende eines Urlaubs zu einem perfekten Erlebnis macht. Was wir an der Hütte lieben: ein einzigartiges Duscherlebnis. Hört sich im ersten Moment merkwürdig an, aber wer kann schon behaupten unter einer Außendusche mit Blick auf eine gigantische Bergkulisse gestanden zu haben? Bleibt noch eines zu schreiben: Haxn abkratzen nicht vergessen!

Etappe 11: Gamshütte – Abstieg Finkenberg

6 ↑hm • 1035 ↓hm •  6,3 km • 2 h

Am letzten Morgen in den Bergen, durften wir erneut einen sommerlichen Sonnenaufgang beobachten und stiegen nach unserem ausgiebigen Frühstück gestärkt den Gamsberg nach Finkenberg hinab. Mit dem Bus fuhren wir zurück in Richtung Hintertux. Mein Wunsch hatte sich erfüllt – unsere Hüttenwanderung war spürbar länger, sodass wir für die nächsten Tage gesättigt von der Höhe waren und eine innere Zufriedenheit verspürten. Die Bergsehnsucht machte sich jedoch mit Ankunft in Chemnitz wieder bemerkbar.

Für interessierte Bergsportler und Tourengänger haben wir den Höhenweg auf outdooractive geteilt. Dort findet ihr auch die Tourenprofile mit Höhenprofil, Wegbeschaffenheit und weiteren Informationen. Insgesamt ist der Höhenweg geübten Bergsteigern zu empfehlen, da für die Kletter- und Gletscherpassagen die richtige Ausrüstung und Erfahrung notwendig ist. Einzelne Etappen können sicherlich auch durch einen Aufstieg aus dem örtlichen Tal als Tages- oder Zweitagestour gegangen werden.

Und um den Bogen zu unserer Gruppe zurückzuschlagen: es ist eine Herzensempfehlung, die Alte Chemnitzer Hütte in euren nächsten Bergurlaub einzuplanen. Wieso es sich definitiv lohnt, werdet ihr in unseren nächsten Beiträgen lesen.

Tragt euch doch gern über das Formular auf der Website in unsere Gruppe ein. Wir melden uns mit einer neuen Beitragsveröffentlichung per E-Mail bei euch. Und wenn ihr eure Erfahrung mit der Alten Chemnitzer Hütte teilen oder von einer Tour dorthin berichten möchtet, schreibt uns gern! Wir veröffentlichen eure Erzählung für mehr Austausch und Gemeinschaft im Alpenverein. 

Berg Heil!

Herzlich eure Sophie & euer Max