Etappe 4: Hochfeiler Hütte – Edelrauthütte
1294 ↑hm • 1457 ↓hm • 14,1 km • 10 h
Da uns wohl eine deutlich längere Tour als geplant erwartete, begann der Tag sehr zeitig. Als wir nach dem Frühstück (eine weitere Empfehlung), unsere Schuhe banden, schaute uns der verschlafene Hüttenwirt mit Kopfhörern im Ohr eine Weile fragend an. Nachdem wir seinen Blick fragend erwiderten, sagte er: „Ihr seids doch die mit der Nummer 16.“ – Wir haben am Abend die Mittwochsauslosung für eine kostenlose Übernachtung…mit der Nummer 16…verpasst – „Na, ihr habts doch eire Übernachtung gewonn‘!“, fügte er lächeln hinzu. Das war eine nette Überraschung. Also unabhängig davon: Wer noch nicht auf der Hütte war, setzt sie doch gleich auf eure Reiseliste, es lohnt sich.
Uns erwartete eine sich ewig ziehende Etappe, die wir kräftemäßig mehr als unterschätzt haben. Der Pfunderer Höhenweg: Von der Hütte aus Abstieg mit direkter Überquerung des Gliderbachs und Gegenanstieg zur Gliderscharte (2644 m). Weiter über die Dannelscharte (2437 m) und die Gaisscharte (2700 m). Es war die abwechslungsreichste Tour mit ebenfalls filmreifen Ausblicken aber gegen Ende so mühsam, dass wir sie vermutlich nicht nochmal gehen werden. Den Anfang machten wir uns schon schwer. Da die Etappe bereits den Namen „Umweg“ trug, wollten wir innerhalb dieser nicht noch einen Umweg in Richtung Unterberghütten gehen, welcher aufgrund weiter oberhalb eingestürzter Brücken empfohlen wird. Wir gingen den von der Hütte aus kürzestem, ursprünglichem und kaum noch begangenem Weg hinab zum Gliderbach. Zur Überquerung des reißenden Flusses sicherten wir uns mit dem Klettersteigset und Seil. Der steile Anstieg kurz darauf zur Gliderscharte hatte es wirklich in sich. Aber wir wurden belohnt: ein zum Staunen veranlassender Blick auf ein Meer aus Wollgras direkt am Grindlbergsee. Es ging nicht sehr anspruchsvoll weiter zur Dannelscharte, nach welcher wir einem Murmeltier beim „Warnrufen“ zuhörten. Pfeiftöne, die durchaus Ähnlichkeit mit Vogelstimmen haben. Der Weg in Richtung Gaisscharte wandelte sich nun von saftig grünen Bergwiesen und leichtem Geröll zu großen anspruchsvollen Geröllfeldern, welche nur noch durch Sprünge angenehm überwindbar waren. Irgendwann erreichten wir die Höhe und dachten, das „Schlimmste“ wäre damit geschafft. Sobald man seinen Körper (das Problem war eigentlich der breitere Rucksack) durch die sehr enge Felsspalte durchgequetscht hat, wartet ein senkrechter Blick in 30 Meter Tiefe auf ein paar Eisentritte und eine Eisenkette. Dann klettert man in luftiger Höhe bergab – für Menschen ab 1,80 Meter bestimmt kein Problem, für kleine Menschen wie ich es bin, eher ungeeignet. Das kann dann schon eine Weile dauern. Am Fuße der Scharte angekommen, war die Kraftreserve so gut wie verbraucht. Und dann wollte der Weg kein Ende nehmen. Als wir die Edelrauthütte erkennen konnte, wanderten wir noch eine ganze Stunde. Eine Stunde in der wir darüber nachdachten es nicht mehr zu schaffen, obwohl das Ziel vor Augen lag. Irgendwie haben wir es geschafft und die freundliche Begrüßung durch die Hüttenwirtin, machte alles wieder wett. Wir waren 12 Stunden unterwegs und dankbar gesund angekommen zu sein. Das Bier hat an diesem Abend besonders gut geschmeckt.