Etappen 1 bis 5

Unser Weg zur Alten Chemnitzer Hütte

06.03.2025

Etappe 1: Aufstieg Parkplatz Hintertuxer Gletscherbahn – Geraer Hütte

Etappe 2: Geraer Hütte – Pfitscher-Joch-Haus  

Etappe 3: Pfitscher-Joch-Haus – Hochfeiler – Hochfeiler Hütte 

Etappe 4: Hochfeiler Hütte – Edelrauthütte 

Etappe 5: Edelrauthütte – Alte Chemnitzer Hütte 

Etappe 1: Aufstieg Parkplatz Hintertuxer Gletscherbahn – Geraer Hütte

1054 ↑hm  •  763 ↓hm  •    10,2 km •  4 3/4 h

Voller Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub, standen wir glücklich am geparkten Auto und rochen die frische Bergluft. Aufgrund zeitlicher Verspätung, entschieden wir uns, ein Stück mit der Gletscherbahn zu fahren und die Wanderung an der Sommerbergalm zu starten. Der Aufstieg war durch den dichten Nebel und permanenten Sprühregen recht unspektakulär. Dafür hatten uns aber zahlreiche Murmeltiere begrüßt, die bei diesem Wetter natürlich guten Schutz genossen. Kurz zogen die Wolken auf, sodass wir einen ersten Staun-Moment mit Blick auf die satten tiefgrünen Wiesen genießen durften. Spät und kurz vor Ende der Abendbrotzeit an der Geraer Hütte (2326 m, DAV Sektion Landshut) angekommen, waren wir etwas ernüchtert. Unsere Sachen waren patschnass und wer zu spät kommt…tja, der Trockenraum war übervoll.

Etappe 2: Geraer Hütte – Pfitscher-Joch-Haus  

747 ↑hm • 769 ↓hm • 10,3 km • 4 h 

Ab dem zweiten Tag begleitete uns hauptsächlich klares und sonniges Wetter. Zum Frühstück blickten wir auf das noch wolkenbedeckte Tal und stiegen dann mit noch feuchten Sachen in Richtung Alpeiner Scharte (2960 m) hinauf, die sich im Felsgrat zwischen Fußstein und Schrammacher kerbt. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir die Überreste des Bergwerks unter der Alpeiner Scharte – ein Molybdänbergbauprojekt aus dem Jahr 1941. Für den Bergbau wurde eine Transportseilbahn errichtet, welche zu Teilen noch steht. Der schmale Einschnitt der Scharte bietet einen Übergang vom Wipptal ins Zillertal. Von dort aus stiegen wir ein Stück in Richtung Hinterboden ab und blieben dann unterhalb des Ameiskopf auf der Höhenlinie mit Blick auf den türkisblauen Schlegeisspeicher, die schöne Rotbachlspitze und den Zamser Grund. Unterwegs begegneten wir zahlreichen Ziegen, Murmeltieren und Gämsen. Kurz vor dem Pfitscher-Joch-Haus (Rifugio Passo di Vizze, 2276 m) überquerten wir die Grenze nach Italien. Und dann glücklich angekommen konnten wir sogar kostenfrei warm duschen – welch ein Luxus!

Etappe 3: Pfitscher-Joch-Haus – Hochfeiler – Hochfeiler Hütte 

1836 ↑hm • 1404 ↓hm • 14,5 km • 8 h

Der Tag sollte zeitig starten, doch während des Frühstücks vertieften wir uns in ein interessantes Gespräch mit einem Rechtsanwalt und einem München-Venedig-Traumpfad-Wanderer. Dieser trat seinen Fernwanderweg nur an, weil er nicht wusste, was er sonst mit seinem Jahresurlaub anfangen sollte. Irgendwann erkundigten wir uns bei dem netten Hüttenwirt, ob die gängigen Zeitangaben für die Route zur Hochfeiler Hütte (Rifugio Gran Pilastro, 2715 m, AVS Sektion Sterzing) realistisch seien, denn wir planten für den Nachmittag die Besteigung des Hochfeiler-Gipfels. Auf den ersten Teil der Frage antwortete er gelassenen, dass es kein Problem sei – die Tour zur Hochfeiler Hütte ist nicht all zu anspruchsvoll. Als er den zweiten Teil unserer geplanten Etappe realisierte, blickte er uns überrascht an und fragte „Was heit noch?“. Wir verstanden, dass wir die Beine umgehend in die Hand nehmen sollten. Es war definitiv eine der schönsten Etappen des gesamten Höhenwegs. Wir hatten eine klare Sicht und eine atemraubende Landschaft vor Augen. Vom Pfitscher-Joch-Haus aus stiegen wir ein Stück in Richtung Sterzing ab und folgten dann wieder dem Hauptkamm. Es folgte ein stetiger Aufstieg vorbei an schmalen Wasserfällen und einer spielfilmreifen Aussicht. Das Highlight war eine große Steinbockgruppe, kurz vor der von Gletschern umgebenen Hochfeiler Hütte. Dort angekommen, erleichterten wir unsere Rücksäcke und bestiegen als eine der letzten Wanderer an diesem Tag den Hochfeiler-Gipfel (3509 m) mit sonnigem Blick auf alle umliegenden Gletscher, Gipfel und den strahlenden Schlegeisspeicher. Nach dem köstlichen Abendessen (eine kulinarische Empfehlung) erfuhren wir, dass von der Überquerung des Gliderferner Gletschers wegen schwer überwindbarer Randkluft und instabilem Moränengelände abgeraten wird – eine Tour die wir lieber zur Edelrauthütte (Rifugio Ponte di Ghiaccio, 2545 m) gegangen wären. Also sollte sich unsere nächste Tour von 2,5 h doch auf geschätzte 8 bis 10 Stunden verlängern.

Etappe 4: Hochfeiler Hütte – Edelrauthütte 

1294 ↑hm • 1457 ↓hm • 14,1 km • 10 h

Da uns wohl eine deutlich längere Tour als geplant erwartete, begann der Tag sehr zeitig. Als wir nach dem Frühstück (eine weitere Empfehlung), unsere Schuhe banden, schaute uns der verschlafene Hüttenwirt mit Kopfhörern im Ohr eine Weile fragend an. Nachdem wir seinen Blick fragend erwiderten, sagte er: „Ihr seids doch die mit der Nummer 16.“ – Wir haben am Abend die Mittwochsauslosung für eine kostenlose Übernachtung…mit der Nummer 16…verpasst – „Na, ihr habts doch eire Übernachtung gewonn‘!“, fügte er lächeln hinzu. Das war eine nette Überraschung. Also unabhängig davon: Wer noch nicht auf der Hütte war, setzt sie doch gleich auf eure Reiseliste, es lohnt sich.

Uns erwartete eine sich ewig ziehende Etappe, die wir kräftemäßig mehr als unterschätzt haben. Der Pfunderer Höhenweg: Von der Hütte aus Abstieg mit direkter Überquerung des Gliderbachs und Gegenanstieg zur Gliderscharte (2644 m). Weiter über die Dannelscharte (2437 m) und die Gaisscharte (2700 m). Es war die abwechslungsreichste Tour mit ebenfalls filmreifen Ausblicken aber gegen Ende so mühsam, dass wir sie vermutlich nicht nochmal gehen werden. Den Anfang machten wir uns schon schwer. Da die Etappe bereits den Namen „Umweg“ trug, wollten wir innerhalb dieser nicht noch einen Umweg in Richtung Unterberghütten gehen, welcher aufgrund weiter oberhalb eingestürzter Brücken empfohlen wird. Wir gingen den von der Hütte aus kürzestem, ursprünglichem und kaum noch begangenem Weg hinab zum Gliderbach. Zur Überquerung des reißenden Flusses sicherten wir uns mit dem Klettersteigset und Seil. Der steile Anstieg kurz darauf zur Gliderscharte hatte es wirklich in sich. Aber wir wurden belohnt: ein zum Staunen veranlassender Blick auf ein Meer aus Wollgras direkt am Grindlbergsee. Es ging nicht sehr anspruchsvoll weiter zur Dannelscharte, nach welcher wir einem Murmeltier beim „Warnrufen“ zuhörten. Pfeiftöne, die durchaus Ähnlichkeit mit Vogelstimmen haben. Der Weg in Richtung Gaisscharte wandelte sich nun von saftig grünen Bergwiesen und leichtem Geröll zu großen anspruchsvollen Geröllfeldern, welche nur noch durch Sprünge angenehm überwindbar waren. Irgendwann erreichten wir die Höhe und dachten, das „Schlimmste“ wäre damit geschafft. Sobald man seinen Körper (das Problem war eigentlich der breitere Rucksack) durch die sehr enge Felsspalte durchgequetscht hat, wartet ein senkrechter Blick in 30 Meter Tiefe auf ein paar Eisentritte und eine Eisenkette. Dann klettert man in luftiger Höhe bergab – für Menschen ab 1,80 Meter bestimmt kein Problem, für kleine Menschen wie ich es bin, eher ungeeignet. Das kann dann schon eine Weile dauern. Am Fuße der Scharte angekommen, war die Kraftreserve so gut wie verbraucht. Und dann wollte der Weg kein Ende nehmen. Als wir die Edelrauthütte erkennen konnte, wanderten wir noch eine ganze Stunde. Eine Stunde in der wir darüber nachdachten es nicht mehr zu schaffen, obwohl das Ziel vor Augen lag. Irgendwie haben wir es geschafft und die freundliche Begrüßung durch die Hüttenwirtin, machte alles wieder wett. Wir waren 12 Stunden unterwegs und dankbar gesund angekommen zu sein. Das Bier hat an diesem Abend besonders gut geschmeckt.

Etappe 5: Edelrauthütte – Alte Chemnitzer Hütte 

323 ↑hm • 454 ↓hm • 9,4 km • 3 h

An diesem Tag war es endlich so weit: wir besuchen die Alte Chemnitzer Hütte (Rifugio Porro, 2420 m)! Und der Bonus dazu: es war unser eingeplanter „Urlaubstag“ im Urlaub. Ein Tag, welchen Max als Erholungstag einführte, entgegen meinem Drang die Tage immer bis ins Maximum auszureizen. Ich wollte während der Vorüberlegungen eine Etappe von der Edelrauthütte zur Schwarzensteinhütte und erst anschließend den Besuch bei der Alten Chemnitzer Hütte planen. Glücklicherweise hatte Max schon im Gefühl, dass der Vortag anstrengender werden könnte. Wir waren nun beide dankbar, richtig entschieden zu haben und konnten durch die kürzere Strecke einfach mal auf einem warmen Stein in der Sonne liegen und die Stellen genießen, die uns einluden, kurz zu verweilen. Am Morgen hat man von der Edelrauthütte einen einzigartigen Blick auf den Eisbruggsee. Wir blieben auf unserem Weg in der Höhe und stiegen nicht zum Neves-Stausee ab. Die erste sonnige und erfrischende Rast machten wir am Griesbach. Dort haben wir uns auch einen ordentlichen Sonnenbrand zugezogen. Wir liefen weiter auf dem Neveser Höhenweg und genossen eine weitere Pause unterhalb des Nevessattels und des Möselekopfs am Gletschersee, welcher vom Westlichen Nöfesferner gespeist wird. Der Höhenweg verlief durch eine, mit riesigen zu bestaunenden Findlingen, idyllische Landschaft. Wir waren wie an den vorherigen Tagen fast allein unterwegs. Und dann, nach vielen Malen „Nach der Kurve kommt die Hütte!“, sahen wir sie endlich. Die Hüttenfamilie hatte noch allerhand zu tun, als wir ankamen. Am Abend tauten alle etwas auf und wir kamen ins Gespräch über Chemnitz, unsere Tour, geschichtliches und über das, was die Familie über das Jahr hinweg alles umsetzt. Verliebt haben wir uns in den urigen Charm der Hütte sofort und zum Abendessen gab es etwas musikalische Unterhaltung. Insgesamt war es eine gesellige Runde: wir unterhielten uns mit zwei Zillertal-Enthusiasten, die in den letzten 10 Jahren jeden Winkel des Alpenraumes abwanderten und hörten gespannt dem wilden Französisch einer Geologie-Studentengruppe zu, die euphorisch über ihre Gesteinsfunde diskutierten. Diese ‚türmten‘ sich eingeschweißt in Tüten am Eingang der Hütte. Und es gab herrliche Schnäpse aus der Region und für uns Chemnitzer Vereinsliteratur, die dort im Bücherregal stand.